v. l. n. r.: Elisabeth Pape, Eva Konen, Julia Krebs, Daniel Wedekind

Regensburger Delegierte berichten aus Bonn

Ihr Lie­ben, 

auf der #BDK22 von Bünd­nis 090/Die Grü­nen in Bonn haben wir zusam­men mit mehr als 700 ande­ren Dele­gier­te vom 14.–16. Okto­ber vie­le wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen getrof­fen, die die Linie der Par­tei mar­kie­ren und damit direkt auf die Arbeit der Ampel­re­gie­rung ein­wir­ken.

Anders als es die Pres­se dar­stellt, haben wir dabei nicht „unse­re DNA geop­fert“, son­dern in fai­rer Debat­te mit oft hart-errun­ge­nen und (meist) glaub­haf­ten Kom­pro­mis­sen auf die bru­ta­le Rea­li­tät reagiert, in der unse­re Frak­ti­on und Minister*innen hand­lungs­fä­hig blei­ben müs­sen. Es war der ers­te Par­tei­tag nach zwei Jah­ren Coro­na Pau­se, der in Prä­senz statt­fand, der ers­te, seit die Grü­nen im Dezem­ber nach 19 Jah­ren Oppo­si­ti­on wie­der in der Regie­rung sind und der ers­te seit der „Zei­ten­wen­de“ des 24. Febru­ar 2022 durch Putins Angriffs­krieg auf die Ukraine.

Ent­spre­chend gab es eini­ge Beschlüs­se mit direk­tem Bezug zum rus­si­schen Angriffs­krieg. Zunächst den Beschluss zur Ener­gie­si­cher­heit ES-01, der einen kla­ren Fokus auf den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien legt und den Wei­ter­be­trieb der süd­deut­schen AKWs nur bis zum April 2023 dul­det. Wenn der Kanz­ler ges­tern als Kom­pro­miss mit der FDP den Betrieb von Ems­land erzwingt, dafür aber den 15. April bestä­tigt, haben wir die­sen Beschluss im Kern schon in Poli­tik umge­setzt, wenn auch anders als erhofft. Denn der Betrieb von Ems­land gefähr­det die Netz­sta­bi­li­tät und kann dazu füh­ren, dass im Nor­den erneu­er­ba­re Ener­gien wie Wind­kraft vom Netz genom­men wer­den müs­sen, um es nicht mit zu viel Strom zu belasten.

Der Beschluss zum Leit­an­trag FS-12 gibt ein kla­res Bekennt­nis zur Ein­bin­dung deut­scher Poli­tik in die Euro­päi­sche Uni­on und die Ver­ein­ten Natio­nen und zu einer femi­nis­ti­schen Außen­po­li­tik. Der Beschluss mani­fes­tiert unse­re Soli­da­ri­tät mit der Ukrai­ne, die wir best­mög­lich mit Waf­fen­lie­fe­run­gen unter­stüt­zen wol­len, gera­de „weil wir ein pazi­fis­ti­sche Par­tei sind“, wie Anna­le­na sagt, betont aber den Pazi­fis­mus als Grü­nen Leit­ge­dan­ken. Frie­den für die Ukrai­ne ist erst mög­lich, wenn Putin geschla­gen ist. FS-09 ergänzt das mit dem Bekennt­nis zum Schutz der ukrai­ni­schen Geflo­he­nen im Land und in der EU. Noch vor dem Win­ter muss dort Infra­struk­tur auf­ge­baut und gestärkt werden.

Mit dem Dring­lich­keits­an­trag D‑01 for­dern wir mas­si­ve Bemü­hun­gen für den Schutz unse­rer Infra­struk­tur gegen rus­si­sche (und mög­li­che ande­re) Angrif­fe, wie sie sich zur­zeit häu­fen. I‑11 bekennt sich zu den staat­li­chen Schutz­schir­men für Bürger*innen und Wirt­schaft in Deutschland.

FS-20 bekennt sich zur Unter­stüt­zung der Demons­trie­ren­den im Iran und for­dert eine Ände­rung der Asyl­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung. Es muss maxi­ma­ler Druck auf die Aya­tol­lahs aus­ge­übt wer­den, Abschie­bun­gen in den Nahen Osten sind aus­zu­set­zen und zumin­dest sub­si­diä­rer Schutz muss allen Geflo­he­nen aus der Regi­on gewährt wer­den. Mit FS-15 for­dern wir wei­ter­hin den sys­te­ma­ti­schen Aus­bau der See­not­ret­tung im Mit­tel­meer sowie die siche­re und men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung der Geflo­he­nen. Der Antrag FS-22 mit der Auf­for­de­rung zum Wider­ruf der Export­ge­neh­mi­gung von Waf­fen­sys­te­men an Sau­di-Ara­bi­en fand lei­der kei­ne Mehrheit.

Auch zum The­ma Kli­ma­schutz gab es zwei wich­ti­ge Beschlüs­se. K‑13 betrifft die Erar­bei­tung eines natio­na­len Hit­ze­schutz­plans. Und schließ­lich wur­de am Sonn­tag­nach­mit­tag der Leit­an­trag Kli­ma K‑06 dis­ku­tiert, zu dem es 63 Ände­rungs­an­trä­ge gab. Einer davon war der Antrag der Grü­nen Jugend, die ein Mora­to­ri­um zum Braun­koh­le­kom­pro­miss in NRW durch­set­zen woll­te. Schon mor­gens hat­ten Aktivist*innen der Kli­ma­be­we­gung vor der Hal­le laut­stark die Dele­gier­ten zur Unter­stüt­zung auf­ge­for­dert, und in der Hal­le war spür­bar, dass die Ent­schei­dung knapp wer­den wür­de. Obwohl die Argu­men­te für das Mora­to­ri­um stark waren, trotz der Mah­nun­gen von Lui­sa Neu­baur, trotz der Sym­bol­wir­kung des Ortes Lüt­zer­ath, der durch den Kom­pro­miss zum Abbag­gern frei­ge­ge­ben wur­de, konn­te sich der Bun­des­vor­stand mit knapp mit 49% Nein- gegen 46% Ja-Stim­men am Ende durch­set­zen. Die­se Ent­schei­dung haben wir Regens­bur­ger Dele­gier­te nicht mitgetragen.

Einen kon­kre­ten Ein­blick in die Regie­rungs­tä­tig­keit und die damit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen erlaub­ten Tref­fen, in denen sich die Staatsekretär*innen aus den sechs Grü­nen Minis­te­ri­en am Sams­tag­mor­gen den Fra­gen der Dele­gier­ten stellten. 

Unser Fazit:

  • Eine BDK zur rich­ti­gen Zeit, um an der Naht­stel­le zwi­schen Par­tei­pro­gramm und der Rea­li­tät schwie­ri­ge, aber wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen treffen.
  • Eine BDK, auf der der Wil­le der Par­tei deut­lich wur­de, gra­de in schwie­ri­gen Zei­ten Ver­ant­wor­tung zu tra­gen und Lösun­gen zu bieten.
  • Eine BDK, die die Dilem­ma­ta zwi­schen dem frie­dens­po­li­ti­schen Bekennt­nis und der Real­po­li­tik im Umgang mit (krie­ge­ri­schen) Auto­kra­ten nicht unter den Tep­pich gekehrt hat.
  • Eine BDK aber auch, die das Ver­hält­nis der Par­tei zur Umwelt- und Kli­ma­be­we­gung belas­tet hat. Wenn wir als Umwelt­par­tei glaub­haft blei­ben wol­len, braucht es drin­gend wei­te­re kla­re Schrit­te in Rich­tung des Pari­ser Klimaabkommens!

Sämt­li­che Beschlüs­se könnt Ihr nach­le­sen oder down­loa­den unter www​.antrae​ge​.grue​ne​.de im Punkt Beschlüsse. 

Dani­el, Eva & Elisabeth