Keine Chance dem Rechtsextremismus in Bayern – Podiumsdiskussion

Trotz der hohen Tem­pe­ra­tu­ren war der „Win­ter­gar­ten“ (eher iro­nisch zu ver­ste­hen…) im Gol­de­nen Fass am Diens­tag­abend voll besetzt. Das The­ma: Rechts­ex­tre­mis­mus in Bayern.

Auf dem Podi­um waren der grü­ne Regens­bur­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Jür­gen Mis­tol, die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Land­tag und innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin für Stra­te­gi­en gegen Rechts­ex­tre­mis­mus Katha­ri­na Schul­ze, Bun­des­tags­frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Dr. Anton Hof­rei­ter, Zara Pfef­fer vom neu­ge­grün­de­ten Netz­werk Ras­sis­mus- und Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­es Bay­ern e.V.und Mar­tin Becher vom Baye­ri­schen Bünd­nis für den Schutz von Tole­ranz-, Demo­kra­tie- und Menschenwürde.

In den Baye­ri­schen Minis­te­ri­en igno­rie­re man das Pro­blem, beklag­ten die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Schul­ze und Mis­tol. „Es gibt in Bay­ern Rechts­ex­tre­mis­mus und Anti­se­mi­tis­mus.“ so Mis­tol. Dies kön­ne und dür­fe man ein­fach nicht ver­schwei­gen oder schön reden.

MdB Hof­rei­ter beton­te, dass Extre­mis­mus und Gewalt­ta­ten abzu­leh­nen sei­en, egal von wel­chem Lager sie kämen. Zum Glück gäbe es heu­te – im Gegen­satz zu Pha­sen in den 90iger Jah­ren – ein brei­tes zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment gera­de beim so aktu­el­len The­ma Asyl. Die Het­ze von Minis­tern, ins­be­son­de­re aus Krei­sen der CSU, sei ein ver­hee­ren­des Signal an die Bevöl­ke­rung. Gegen eine Salon­fä­hig­keit rech­ter Paro­len müss­te ent­schie­den vor­ge­gan­gen werden.

Mar­tin Becher berich­te­te von sei­nen Erfah­run­gen mit Gegen­de­mons­tra­tio­nen bei Neo­na­zi-Auf­mär­schen in den länd­li­chen Regio­nen. Dort sei die Betei­li­gung bei den Gegen­kund­ge­bung oft­mals unter dem, was mög­lich wäre. Aus Bechers Sicht kön­ne aber nicht aus­schließ­lich auf zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment gesetzt wer­den. Gera­de bei der Poli­zei­aus­bil­dung gäbe es noch gro­ßen Nach­hol­be­darf. Davon sei man in Bay­ern noch mei­len­weit entfernt.

Katha­ri­na Schul­ze sah alar­mie­ren­de Anzei­chen bei den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in Bay­ern bezüg­lich eines erstar­ken­den Ras­sis­mus. Die Brand­an­schlä­ge mit frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund hät­ten deut­lich zuge­nom­men, eben­so ras­sis­ti­sche Kam­pa­gnen gegen Flücht­lin­ge. Hier wur­den von 2007 bis  2013 um die 50 Fäl­le, 2014 allein fast dop­pelt sovie­le ver­zeich­net. Aus eige­ner Erfah­rung berich­te­te sie von den Ein­schüch­te­rungs­ver­su­chen, die Per­so­nen, die sich öffent­lich gegen Rechts stark machen, aus­zu­hal­ten hät­ten. Media­le Shit­s­torms, Ver­öf­fent­li­chung der Pri­vat­adres­se und Hand­num­mer in ein­schlä­gi­gen Foren sei­en längst kei­ne Ein­zel­fäl­le mehr. Rechts­ex­tre­mis­ti­sche Gewalt wer­de ver­harm­lost oder nicht als sol­che identifiziert.

Zara Pfeif­fer the­ma­ti­sier­te die Fra­ge, was es bedeu­tet, Ras­sis­mus sicht­bar zu machen. Gera­de der All­tags­ras­sis­mus wer­de oft auch von Leu­ten, die aktiv gegen rechts sei­en, nicht bemerkt.

In der Dis­kus­si­on mit dem Publi­kum wur­de unter ande­rem die Fra­ge des Nut­zens von Gegen­de­mons­tra­tio­nen behan­delt. Mar­tin Becher gab zu Beden­ken, dass es unter Umstän­den eine Auf­wer­tung einer Demons­tra­ti­on von eini­gen weni­gen Rech­ten sei, wenn dann über tau­send Gegen­de­mons­tra­tio­nen auf­trä­ten. Wich­tig sei aber vor allem, dass dabei ein mög­lichst brei­tes Spek­trum gesell­schaft­li­cher Grup­pen betei­ligt sei. Zara Pfeif­fer hin­ge­gen beton­te eben­so wie Toni Hof­rei­ter, dass die posi­ti­ve Wir­kung sol­cher Gegen­ver­an­stal­tun­gen in die Gesell­schaft hin­ein nicht unter­schätzt wer­den dürf­te. Es sei wich­tig deut­lich zu zei­gen, dass es in der jewei­li­gen Stadt­ge­sell­schaft oder Kom­mu­ne vor Ort kei­ne Akzep­tanz für der­lei Gedan­ken­gut gäbe.

(Fotos von Tho­mas Witz­gall – vie­len Dank!)